<< zurück

MEDUSA*EXPEDIT
Von und mit Bert Gstettner, Hannes Mlenek, Günther Rabl

Sonntag, 4.10.2015, 19.30 Uhr
Brotfabrik Wien – Expedithalle

 Medusa*Expedit ist die erste Veröffentlichung des in mehreren Entwicklungsphasen konzipierten Tanz*Hotel Projekts Floß*Medusa – choreography, paintings and composition in process.

  „.. unermüdlich arrangieren wir
die Abfälle unserer Erfahrung zu
– fast könnte man sagen – Idyllen.“ (Friederike Roth)

 Mit MEDUSA*EXPEDIT geben Gstettner, Mlenek und Rabl eine ‘Work in Process’- Performance in der 2500m2 großen, ehemaligen Anker-Brotfabrik-Expedithalle, mit einer choreografischen und raumakustischen Inszenierung zum Themenkreis ‘Das Floß der Medusa’. Dabei unternehmen sie den Versuch, ihre jeweiligen Ausdrucksmittel in Beziehung zu bringen.

Sie versetzen sich auf die Fregatte Medusa, einem Schiff, das im Jahr 1816 durch Navigationsfehler auf eine Sandbank vor der westafrikanischen Küste aufläuft und aufgrund mangelnder Rettungsboote, zu einem Floss dekonstruiert werden muss. Fünfzehn Tage hindurch treiben die übrigen, anfänglich 150 Schiffbrüchigen auf dem zurückgelassenen, steuerlosen Floß dahin. Unter den, gerade einmal, acht Überlebenden, befinden sich J.B. Henri Savigny und Alexander Corréard, die einen Bericht über die Ereignisse verfassen. Der Maler Théodore Géricault schuf 1816-18 zu diesem Vorfall ein postrevolutionär-romantisches, monumentales Gemälde. Es ist im Louvre in Paris ausgestellt. Auch dadurch ist diese humanitäre Katastrophe in starker Erinnerung geblieben und zum Mahnmal geworden.

 Géricaults Kunst lässt sich mit den herkömmlichen Stilkategorien nicht erfassen, sein Werk nimmt eine epochale Zwischenstellung ein. .. Die grundlegenden, uns heute vehement beschäftigenden Fragen, wie weit Bilder gehen dürfen, ob und welche Grenzen sie überschreiten sollen, wovon Bilder überhaupt möglich sind, werden in ihrer ganzen Schärfe erstmalig bei Géricault sichtbar. (1)

Géricault´s Bild beruht auf einem Tatsachenbericht von Jean-Baptiste H. Savigny und Alexandre Corréard aus dem Jahr 1816: ‘Der Schiffbruch der Fregatte Medusa’.

“Am 2. Juli 1816 läuft die französische Fregatte Medusa auf der Arguin-Bank, vierzig Seemeilen vor der Küste Westafrikas, auf Grund. Bedingt durch die Inkompetenz und charakterliche Schwäche des royalistischen Offizierskorps, entwickelt sich der Schiffbruch zur Katastrophe. 150 der Schiffbrüchigen werden auf einem eilig zurechtgezimmerten Floß ausgesetzt, der Rest der Besatzung, unter ihnen der Kapitän der Medusa, retten sich mit den Beibooten. Bereits in der ersten Nacht kommen über 60 Männer auf dem Floß ums Leben. Corréard und Savigny berichten von einer Meuterei und schier tobsüchtiger Raserei der Seeleute und Soldaten. Heutige Forschung geht eher von einem Massaker der Offiziere an den Mannschaftsdienstgraden aus. Bereits nach vier Tagen kommt es zu ersten Fällen von Kannibalismus. Die beiden Autoren berichten nüchtern vom allmählichen Verlust jeglicher Ideale der Zivilisation. Der Verlust von Disziplin, verbunden mit der aufkommenden Hoffnungslosigkeit, führt innerhalb nur weniger Stunden und Tage zur Barbarei auf dem steuerlos dahin treibenden Floß. Als die Schiffbrüchigen nach zwölftägiger Irrfahrt von der Brigg Argus entdeckt werden, sind nur noch 15 der 150 Männer am Leben.“ (2)

In diesem Projekt geht es um das Versagen von Menschen in Extremsituationen. Es wird versucht, in dieses Scheitern hineinzufühlen, Zusammenhängen nachzugehen und aus der Tragik heraus eine dennoch positive Wendung in eine Zukunft ohne menschliche Katastrophen zu nehmen. Anbetrachts dieser Tragödie stellt sich insbesondere aktuell die Frage, wie wir mit den täglich neuen Nachrichten über Flüchtlingsschicksale und Schlepperverbrechen besser umgehen und wie wir die Situation der Notleidenden lindern können. Kann und soll die Kunst sich auf die heutigen Ereignisse beziehen und kann sie damit etwas bewirken? Jeder ist aufgefordert irgendwie zu antizipieren und denen, die es brauchen zu helfen.

MEDUSA*EXPEDIT ist derzeit ein ‘Work in Process’ und vorerst als einmalige Performance, eine erste Veröffentlichung von Materialien, Skizzen und Elementen zu unserem Research des, in mehreren Entwicklungsstadien konzipierten Tanz*Hotel Projekts FLOSS*MEDUSA. Im Jahr 2016, dem 200-jährigen Gedenkjahr des Schiffsunglücks, soll der nächste Teil in erweiterter Fassung veröffentlicht werden.

TEAM
Choreografie, Performance, Raumbühne    Bert Gstettner
Rauminstallation, Performance                    Hannes Mlenek
Komposition, akustische Inszenierung         Günther Rabl
Künstlerische Beratung, Kostüm                  Devi Saha
Licht                                                             Klaus Greif
Video, Doku                                                 Ulrich Kaufmann, Siegrid Friedmann
Foto                                                             Ernst Grünwald
Inhaltliche Mitarbeit                                      Reinhard F. Handl
Technik-Support                                           Richard Bruzek, Felipe Santos
Organisation                                                 Claudia Bürger

Ko-Produktion    www.tanzhotel.at  | www.mlenek.at  | www.canto-crudo.com |
Produktion    Tanz*Hotel / Art*Act Kunstverein
Support        LoftCity | WienKultur | Bildrecht GmbH | NÖ Kultur

Ein Teil des Eintrittsgeldes wird an eine Hilfsorganisation, die Flüchtlinge unterstützt gespendet.

1) Wedekind, Gregor (Hrsg.): Géricault. Bilder auf Leben und Tod. München: Hirmer Verlag, 2013.Udich, Linn
2) Markus Ruprecht: Der Schiffbruch der Fregatte Medusa u. Amistad – Histor. Sinnbildung in den Medien, Roman u. Spielfilm im Geschichtsunterricht. Studienarbeit. Selbstverlag Grin: Hamburg. 2006. S. 7-8.

Info:
www.tanzhotel.at